Erinnerungen an den Straßenbau in unserer Gemeinde

Geschrieben von: Hinrich Kück, 27442 Klenkendorf 8A

Beginn der Aufzeichnungen: Herbst 2007

 

Bei der Kommunalwahl 1952 wurde ein neuer Gemeinderat gewählt, Johann Murck, seit 1945 Bürgermeister, wird in der ersten Ratssitzung in geheimer Wahl mit 4:3 Stimmen von Johann Schlüter abgelöst.

In meiner Eigenschaft als Kassenverwalter der Gemeinde habe ich seiner Zeit an fast allen Rats- und Gemeinderatssitzungen teilgenommen. Die Bremervörder Zeitung berichtete über die Ratssitzung und schrieb die Gemeinde hoffe jetzt im Straßenbau voranzukommen.

Der Rat erhielt Ende 1953 eine Einladung von der Gemeinde Gnarrenburg im Gasthaus Marienhütte betr. „Straßenbau Kirchendamm“.

Die Versammlung wurde von Bürgermeister Hinr. Garms geleitet. Vom Wasserwirtschaftsamt Verden waren Baurat Ludwig und Bautechniker Wöltje anwesend. Der Kirchendamm wird anteilig von den Gemeinden Gnarrenburg, Barkhausen, Langenhausen, Augustendorf, Klenkendorf, Barkhausen und Fahrendahl unterhalten, der Anteil Klenkendorf’s war ca. 250 – 280 m. Nachdem uns (es waren vom Rat Bürgermeister Schlüter, Ratsherr Lemkau, Ratsherr D. Kück und ich anwesend) das Auskoffern dieser Strecke mitgeteilt wurde, sagte Bürgermeister Schlüter, solange wir in der eigenen Gemeinde keine Straße haben, könnten wir nicht an den Arbeiten teilnehmen. Es gab heftige Diskussionen, schließlich sagte Baumeister Ludwig, wo ist Klenkendorf??? Bis dato hatte die Gemeinde auch noch nicht mit dem Amt Verden zusammen gearbeitet. Er sagte schon in den nächsten Tagen einen Termin zu. Nach Verständnis der Lage, wurde uns der Anteil gekürzt und haben die Auskofferung zugestimmt.

Schon eine Woche nach dieser Versammlung war die Ratssitzung bei Bürgermeister Schlüter im Hause. Noch bei der alten Währung wurde mit Bombenschutt ein km von Nr. 1 bis Nr. 7 befestigt. So mußten noch 2,6 km ausgekoffert werden.

So begann  die erste Versammlung mit Baumeister Ludwig und es wurde beschlossen in je 2 Jahren 1300 m auszukoffern, das erste Jahr mußte es seitens der Gemeinde gemacht werden. Aber es kam anders, der Winter kam früh und hielt bis in das Frühjahr an. Dann hat das Wasserwirtschaftsamt die Auskofferung übernommen. Das Bauvorhaben wurde ausgeschrieben, ca. 20 Bauunternehmen bewarben sich. Den Auftrag erhielt die Fa. Schröder aus Bremervörde. Das Problem Sand wurde schnell gelöst. Heute wäre so was nicht mehr denkbar. Der Firmeninhaber D. Schröder, Bürgermeister Schlüter und ich fuhren zum Bauern Steffens in Spreckens. In nicht mal 2 Stunden hatten wir den Sandberg nähe der Oste (Grenze Spreckens – Minstedt) gekauft.

Der Sand mußte mehrere km durch Wiesen über den Klenkendorfer Keil auf Gleisen transportiert werden. Die Auskofferung wurde von der Firma mit Notstandsarbeiten vom Arbeitsamt gemacht. Die Rohre unter der Straße wurden von der Firma August Gorny geliefert, und bei der Verlegung mußten hier die Anlieger helfen. Die Bauaufsicht hatte der Bauingenieur Wöltje, damals fuhr er noch mit einem 98er Motorrad, ja teilweise noch auf dem Stieg.

Dieses für die Gemeinde doch größte Bauobjekt ging ohne besondere Schwierigkeiten vonstatten. Ältere Einwohner werden dieses noch in unvergeßlicher Erinnerung behalten. Kleinere behördliche Verhandlungen fanden meistens in unserer Wohnstube im alten Haus statt. Während einer dieser Verhandlungen teilte Baumeister Ludwig uns mit, daß die Gemeinde 6000,00 DM für diesen ersten Bauabschnitt zu zahlen hätte. Wir waren in Vorgesprächen aber in etwa auf vorbereitet. Dieser Betrag betrug ca. 300 % unseres Steuermeßbetrages (Hebesatz).

Bürgermeister Schlüter rief eine öffentliche Gemeinderatssitzung ein, die damals immer in der Schule stattfanden. Einziger Tagesordungspunkt war: „Erhöhung der Grundsteuer A und B um 300 % *) auf nunmehr 500% des Hebesatzes. Dieser neue Hebesatz von 500 % wurde einstimmig beschlossen.

Bürgermeister Schlüter und ich fuhren zur Kreisverwaltung, stellten den Nachtragshaushaltsplan zur Genehmigung, welcher in kurzer Zeit genehmigt uns zugesandt wurde. Die Besprechung der Baumaßnahme fand wieder in unserer Stube nach einer Begehung mit dem Oberbaurat Reimann vom Wasserwirtschaftsamt Verden, Oberkreisdirektor Dr. Zum Felde, Baurat Ludwig, Bauingenieur Wöltje, Bürgermeister Schlüter, Ratsherr Lemkau und ich sowie von der Baufirma Schröder der Bauingenieur Fritz Hanig statt. Es wurden keine Beanstandungen gegenüber Firma Schröder ausgesprochen.

Der letzte Abschnitt 1300 m wurde von der Gemeinde in Eigenarbeit ausgekoffert. Wir hatten eine Hand- und Spanndienstordnung erstellt und diese wurde als erste vom Landkreis genehmigt. So konnten bei Verweigerung Zwangsmaßnahmen getroffen werden. Zwecks Durchführung dieser Maßnahmen fand eine Bürgerversammlung auf einen Sonntagnachmittag in der Schule statt. Beschlossen wurde: Eine volle Hofstelle hat  40 m, eine halbe Hofstelle hat 20 m, angefangene (kleinere Hofbesitze) 10 m, auszukoffern. Ohne Schwierigkeiten wurde dieses von der Gemeinde erledigt.

Von Hinrich Riggers wurde an der Kreisstraße ein Sandstich gekauft. Die vom Wasserwirtschaftsamt Verden ausgeschriebenen Besandungsarbeiten, per Gleiseinbau, wurden wiederum an Firma Schröder, Bremervörde, vergeben. Auch bei dieser Maßnahme, die vom Bautechniker Rittmer, Verden, beaufsichtigt wurde, gab es keine Beanstandungen.

Jetzt konnte die Bepflasterung beginnen, nach Antragstellung und vielseitigem Schriftverkehr wurden erstmals 500 m mit Flachklinker genehmigt. Die Arbeiten bekam Firma Vöge/ Zinngräbe, Sulingen. Im nächsten Jahr wurden zunächst 800 m genehmigt und ausgeschrieben, diese Arbeiten bekam Firma Kriete, Ostereistedt. Noch während dieser Arbeiten wurden vom Wasserwirtschaftsamt 800 m weiter ohne Ausschreibung an Firma Kriete vergeben. Die nächsten 500 m bekamen im nächsten Jahr wiederum die Firma Vöge/Zinngräbe aus Sulingen.

Die Bombenschuttstraße mußte seitlich mit 1 m ausgekoffert werden und wurde mit Asphalt asphaltiert. Der letzte Bauabschnitt Klenkendorfer Keil wurde vom Bautechniker Fischer vom Wasserwirtschaftsamt geleistet, die anfallenden Handarbeiten wurden seitens der Gemeinde erledigt. So war Klenkendorf, mit Keil, in doch kurzer Zeit befestigt worden. Nur wer den Sandweg noch erlebt hat, wir sagten Damm, weiß was geschaffen wurde.

Udo, für die bevorstehende Wahl wünsche ich Dir ein gutes Abschneiden, Hinrich,  09.2011

 

Zum Autor:

Hinrich Kück. Geboren 1929 in Klenkendorf

Sein Vater Hermann Kück stammte aus dem Hause Kück Klenkendorf Nr. 27. Seine Mutter Metta aus dem Hause Glüsing Klenkendorf Haus Nr.21.

1920 pachteten beide Haus und Grundstück Klenkendorf Nr. 8b von Johann Müller und betrieben einen Kolonialwarenladen. 1937 konnten sie das Haus kaufen.

Hermann Kück arbeitete bis 1945 in der „Muna“ Hesedorf.

Ihr ältester Sohn Hinrich lernte, nach seiner Schulzeit, ab 1943 den Beruf des Kaufmanns in Hittfeld.

1955 bauten sie ein neues Haus mit Gastwirtschaft, Laden und Poststelle.

Kneipen und Läden waren von je her die zentralen Anlaufstellen wo die neusten Nachrichten aus dem Dorf ausgetauscht wurden.

Früh interessierte Hinrich sich für die Ereignisse im Dorf. Aktiv beteiligte er sich am Dorf- und Vereinsleben. Als Zeitzeuge kann er noch über Ereignisse berichten die sonst unwiderruflich verloren gehen.

Ich danke Hinrich Kück, dass er uns an seinen Erinnerungen aus Klenkendorf’s Vergangenheit teilnehmen lässt.

Ober-Klenkendorf, den 3.03.2012, Johann Steffens